Vulkanisches Vergnügen (Indonesien 1)

Vulkanisches Vergnügen (Indonesien 1)

Bei der Ankunft in der größten Stadt Südostasiens, Jakarta, fehlt mein Rollstuhl; die Zeit zum Weiterflug nach Yogyakarta ist knapp, der Wechsel der Fluggesellschaft keine Vereinfachung der Situation und dennoch bin ich bester Dinge. Denn so zeigt sich schon in den ersten Stunden unseres Trips: Reisen bleibt aufregend!

Next Stop: Java

Dass ich meine ersten Schritte in Indonesien direkt als Rucksacktourist starte, war zwar nicht geplant, stellt allerdings unsere Mobilität sicher. Wer den Rolli wann wohin liefern wird, lässt sich nach einigem Hin und Her klären, ob es tatsächlich klappt, bleibt natürlich zunächst offen – doch tatsächlich kann ich bereits am zweiten Abend ohne Rucksack die Straßen und den Nachtmarkt von Yogyakarta erkunden. Mein Jetlag macht jede Wahrnehmung noch intensiver, ich tauche ab in das Gewühl aus Menschen und Motorrädern, Gerüchen, Farben und Geräuschen. Noch bevor wir Land und Vulkane gesehen haben, spüre ich freudig: Ich bin mittendrin, in meinem besten Leben.

First Step: Mount Bromo

Die ersten Tage in Indonesien nutzen Sven, Torsten und ich zur Besichtigung zweier Tempelanlagen, dann geht es weiter zum Madakaripura Wasserfall im Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru. Diese nasse und rauschende Berührung mit der Natur ist eine schöne Einstimmung auf unser Etappenziel Nr. 1 am nächsten Tag, den Vulkan Bromo. Zwei Uhr nachts ist es, als uns der Wecker aus dem Schlaf klingelt, damit wir rechtzeitig mit dem Jeep loskommen. Bevor es zum Vulkan geht, sollen wir auf einem gegenüberliegenden Berg den Sonnenaufgang erleben. Mit diesem Vorhaben sind wir natürlich nicht allein und das frühe Aufstehen ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Bergstraße schmal und eng ist. Wer möglichst weit hinauf will, muss früh antreten, sonst zieht er den Kürzeren beim gefühlten Wettrennen der Touri-Jeeps. Tausende Menschen sind unterwegs und ich frage mich kurz (und leicht abgetörnt), ob ich für einen Sonnenaufgang wirklich Teil dieses verrückten Ameisenhaufens sein will. Okay, eine rein rhetorische Frage natürlich… 😉

Gewusel, Gebüsche, Gedanken

Oben angekommen streben alle nach dem besten oder zumindest einem guten Platz. Kameras werden aufgebaut, Stative gerückt und im ersten Augenblick erinnert mich der Anblick an den roten Teppich der Berlinale, wo Fotojournalisten um jeden Zentimeter ringen. Noch ist es dunkel, die vage Röte des Morgens ist nur zu erahnen. Unser Guide bedeutet uns ihm zu folgen. Mit Taschenlampe gerüstet leitet er uns weg vom gut ausgebauten Aussichtsbereich querbeet durchs Gebüsch. Kleine Äste und meine Restmüdigkeit martern mein Gesicht, dann plötzlich wird es luftig und wir kommen auf einem freien Stückchen Erde zum Stehen, mit bester Sicht auf den Horizont. Wir sind zwar nicht ganz allein und die Massen anderer Menschen können nur unweit entfernt sein, aber zu meinem Erstaunen ist es totenstill. Es ist eine mystische und klare Stille, die jedes Gefühl von Profanität in eine sanfte Erhabenheit wandelt. Das vage Rot am Boden der Dunkelheit gibt mehr und mehr Raum für das emporkommende Licht. Ich stehe und staune und genieße. Es ist ein verdammt schöner Sonnenaufgang. Mit der Helligkeit werden wir der Berglandschaft gewahr, auf die wir aus deutlicher Höhe herabblicken. Der Vulkan gegenüber wirkt fast niedlich, wie ein Kulissenteil aus der Augsburger Puppenkiste. Von der Gefährlichkeit des aktiven Kraters ist hier nichts zu spüren.

Weiter durch die Wüste

Tief atmen wir die Kostbarkeit des Augenblicks ein, dann aber heißt es zügig weiter Richtung Vulkan. Von der schmalen Bergstraße geht es mitten durch die Wüste. Atmen, ob tief oder flach, ist angesichts des aufgewirbelten Staubs durch die unzähligen Fahrzeuge nur mit Mundschutz möglich. Mit etwas Entfernung zum Berg machen wir Halt, zu Fuß geht es weiter durch die Wüste, dann folgt ein relativ bequemer Aufstieg zum Krater über eine steinerne Treppe. Oben angekommen, verteilen sich die Menschen nach links und rechts entlang des Vulkanrandes, der größtenteils ohne Geländer und ungesichert ist. Obwohl der Mount Bromo einer der aktivsten Vulkane Javas ist, können wir uns ohne Atemmasken hier aufhalten. Neugierig blicken wir in die Tiefe des Kraters. Vielleicht liegt es an der Kargheit der sandigen Landschaft und den bereits hinter mir liegenden Stunden, dass ich wenig Aufgeregtheit verspüre, sondern die Atmosphäre als entspannt und geradezu heiter empfinde. Als sei ich beim Familienpicknick. Freundlich ist sie, meine erste Begegnung mit einem Vulkan und mein Frühstückshunger steigt empor wie vor wenigen Stunden die Sonne.

Dass der zweite Vulkan ganz andere Erlebnisse bereithalten und welche Gefühle er in mir hervorrufen wird, ahne ich in diesem so friedlichen Moment nicht. Was mich bei den blauen Flammen erwartet hat, davon berichte ich im 2. Teil…

So sehen Rucksacktouristen aus!

Wie es sich anfühlt im Krater eines aktiven Vulkans zu stehen: 

...

Mitten im Krater: Die blauen Flammen des Kawah Ijen. (Indonesien 2)

Es steht außer Frage, dass ich in Bezug auf Reiseeindrücke inzwischen verwöhnt bin, schon einiges an Besonderem und Einzigartigem sehen und erleben durfte. Als ich das erste Mal im Internet bei meinen Recherchen auf die blauen Flammen der Vulkaninsel
Mitten im Krater: Die blauen Flammen des Kawah Ije...
Greta trifft Janis. Ins Herz.

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Montag, 18. November 2019

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