Vom Wert des Ungehorsams

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3000 Kilometer in sechs Tagen. Oft geht es intensiv und aufregend bei mir zu – nicht nur in puncto Strecke. Neben vielen neuen Begegnungen gab es auch ein besonders schönes Wiedersehen. Bei meinem Vortrag in der Schweiz, traf ich den Mann wieder, der u.a. der meine inzwischen 2-jährige Zusammenarbeit mit UNICEF ins Rollen brachte: Phillipe Cori. Eine Geschichte über Ungehorsam, Mut und Motivation.

Vom Reisenachschlag zum Startschuss

Aus den Blogbeiträgen über Sri Lanka (> Zufall für Fortgeschrittene) wisst ihr vielleicht noch, wie spontan und auch etwas verrückt diese Reise damals zustande kam, und nur wenige Wochen nach meinem ersten Aufenthalt dort folgte der zweite. Unter anderem war ich vom United Nations Development Programme (UNDP) und dem Rotary Club für Vorträge eingeladen worden. Ich war durchaus angespannt, weil der UNDP-Vortrag mit ca. drei Stunden mein bis dahin längster Auftritt werden sollte, noch dazu in englischer Sprache. Der Zufall wollte es (und was ich vom Zufall halte, ahnt ihr seit dem Sri Lanka Beitrag), dass zeitgleich ein UNICEF-Meeting stattfand. Man hatte die Mitarbeiter zu meinem Vortrag miteingeladen, doch aufgrund eigener Veranstaltungen war deren Kommen nicht möglich. Eigentlich. Tja.

Erfolgreiches Widersetzen

Das ganze UNICEF-Team saß also in internen Meetings. Das ganze Team? Nein. Eine mit unbeugsamer Neugier ausgestattete Mitarbeiterin folgte ihrem Impuls und stahl sich klammheimlich zu meinem Vortrag. Wie ich später erfahren sollte, gefiel er ihr so gut, dass sie nahezu vom Fleck weg eine begeisterte E-Mail an ihr Headquater schrieb. Welche Wege diese euphorische Empfehlung konkret nahm, vermag ich nicht zu sagen, in jedem Fall aber drang sie bis zu Phillipe Cori, dem damaligen Vize-Manager der Region Südliches Asien. Von ihm bekam ich innerhalb kürzester Zeit die schriftliche Einladung nach Nepal, zu einer großen UNICEF-Veranstaltung, die von den Managern aller Länder der Region besucht werden würde. Termin? Keine vier Wochen später!

Youth Empowerment zwei Monate später in Bangladesh.

Ein Mut, ein Glück und sehr viel Feuer

Coris Spontanität und Entschlossenheit, und ebenso sein Wagnis mich einzuladen, obwohl er weder mich noch meine Art Vorträge zu halten kannte, trafen selbstverständlich zu 100% meinen Nerv. Was für ein Risiko für ihn! Welche Ehre für mich! Dieser mir fremde Mann aus Kathmandu hatte mich nicht nur als Überraschungs-Redner eingeplant, sondern vielmehr als Auftaktredner. Mit mir würde dieses großes Meeting zu UNICEFs „Youth Empowerment" beginnen. Keine Frage, dass ich zusagte. Ich spürte sofort, noch vor der ersten persönlichen Begegnung, dass hier etwas am Werk war, was ich wie kaum etwas anderes liebe: pures Feuer für das eigene Herzensthema.

Ich glaube dies ist der Beginn einer wunderbaren​...

…Kooperation, getragen aus echter herzlicher Verbundenheit. Nein, wir haben nicht lange gefackelt. Am Tag des Vortrags und bereits im Vorfeld, spürteich eine außergewöhnliche Aufregung vor der Keynote. Und außergewöhnlich ging es auch nach meiner Rede weiter. UNICEF ließ mich eintauchen und vollkommener Teil der Veranstaltung sein. Alle Meetings, Workshops und Vorträge standen mir offen; ich konnte zuhören, mit diskutieren, Ideen einbringen, gestalten, mich austauschen und vor allem erleben, wie stark und kraftvoll beseelt all diese Menschen von einem gemeinsamen Feuer sind: Youth Empowerment. Mutmachen. Stärken. Teenagern eine neue Idee vom Leben geben. Wirklich etwas bewegen. Es hat mich von der ersten Sekunde an mitgezogen und sehr bewegt.

Entscheidend ist die Überzeugung

Ohne den kleinen Ungehorsam der Mitarbeiterin hätte es wahrscheinlich nie (m)eine Verbindung zu UNICEF gegeben. Ohne ihre E-Mail wäre der Impuls nicht zu Phillipe Cori gelangt. Ohne seinen Mut zum Risiko und sein offensichtliches Vertrauen in die Empfehlungen seiner Teams hätte es keine Guest-Keynote gegeben. Mit meiner Spontanität und Freude an schneller Umsetzung konnte ich das Lebensgeschenk so rasch aufgreifen, wie es mir entgegenkam. Wieder einmal: Flow.

Als ich jetzt im Mai in der Schweiz erneut Teil eines UNICEF Meetings sein durfte und die vertrauten Gesichter der ersten Stunde wiedersah, wurde mir sehr bewusst, dass hinter dem, was wir als Zufälligkeit, Beliebigkeit des Daseins oder Glück bezeichnen, der konkrete Mut, eine konkrete Tat oder das Vertrauen in die eigene Intuition stehen. Wir Menschen setzen das Leben in Bewegung, wenn wir uns vom Leben bewegen lassen.


Motivational tour with UNICEF in South Africa:

Sin and the city – endlich New York!
Ich liebe Schubladendenken

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