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Hat gute Bühnenperformance ein Geheimnis? Na, klar!

Speaker Janis McDavid

„Janis, du bist auf der Bühne so gelassen. Hast du eine besondere Vorbereitung?" Diese Frage wird mir so oder so ähnlich sehr oft gestellt. Viele Menschen glauben sogar, ich sei einfach nicht aufgeregt, das sei ein Talent, eine Gabe. Das stimmt nicht. Ich hätte mir früher nicht vorstellen können, vor hunderten von Menschen frei zu sprechen. Bis ich einen ganz einfachen Trick entdeckte!

Woher kommt das Lampenfieber?

Jeder, der auf eine Bühne geht und vor einem Publikum auftritt, weiß, dass Lampenfieber normal ist. Es ist sogar eine gute Sache, denn normales Lampenfieber ist nichts weiter als eine bestimmte Grundaufregung, die sicherstellt, dass wir fokussiert sind. Das kann man mit einem leichten Tunnelblick auf das Wesentliche vergleichen. Das angemessene Adrenalin im Blut schärft die Sinne. Lampenfieber lähmt nicht, es ist vielmehr ein guter und ein wichtiger Energiekick. Wenn Lampenfieber in Angst umschlägt, dann fühlen wir uns gelähmt, gehemmt und ausgeliefert. Das ist kontraproduktiv für die Bühne. Mir selbst hat eine entscheidende Erkenntnis dabei geholfen, aus der Angst eine angenehme Anspannung zu machen.

Warum ist mein Publikum heute hier?

Die meisten von uns werden das erste Mal in der Schule oder Uni damit konfrontiert, vor Menschen sprechen zu müssen. Hausaufgaben an der Tafel erklären, ein Referat halten, die Ergebnisse einer Gruppenarbeit vorstellen oder vergleichbare Situationen, kennen wir alle. Das heißt, es wird früh in uns die Verknüpfung erstellt, dass „vor Publikum sprechen" gleichbedeutend ist mit „ich werde geprüft und benotet". Mit diesem Gedanken auf eine Bühne zu gehen kann große Angst erzeugen, echte Prüfungsangst. In diesem Mindset ist das Publikum ein Richter und nicht einfach das, was es ist: ein neugieriges, in der Regel wohlwollendes Auditorium.

Ich werde nicht geprüft, ich werde gehört.

Als ich begriff, dass niemand zu meinen Vorträgen kommt, um mich zu prüfen, dass ich nicht auf Menschen treffe, die mich benoten, sondern die einfach zuhören wollen, was ich zu erzählen habe, veränderte sich alles! Mir wurde klar, dass ich auf der Bühne gar nichts anderes mache, als ich auch sonst mache, nämlich Menschen von meinen Erlebnissen und Erfahrungen zu erzählen, weil ich sie ermutigen, inspirieren und motivieren möchte. Im Alltag habe ich ja auch keine Angst davor, egal, ob ich die Leute kenne oder nicht. Warum also sollte ich auf einer Bühne davor Angst haben? Es ist keine Prüfungssituation. Sie sind hier, um mir zuzuhören. Sie sind neugierig auf das Thema. Ja, sie sind sogar genau deshalb hier, um ermutigt, inspiriert und motiviert zu werden. Sie wollen mich und meinen Vortrag. Sie haben Lust darauf.

Bereite ich mich also vor? Ja, unbedingt sogar!

Ein Vortrag ist keine Prüfung, sondern eine Begegnung. Und natürlich bereite ich mich auf Begegnungen vor. Zum einen dahingehend, dass ich natürlich weiß worüber ich sprechen möchte, was meine Kernbotschaft ist. Ich trage dafür Sorge, dass ich in einem bestmöglichen Zustand bin, mental und körperlich. Das tue ich für mich selbst und aus Respekt vor meinem Publikum. Ein guter Zustand beschert mir selbst eine gute Zeit auf der Bühne und meinem Publikum einen präsenten Redner, der nicht nur ein angenehmer Anblick ist, sondern mit seiner Rede eine gute Stimmung weiter trägt. Vor einem Auftritt bündle ich meine Konzentration, wofür das Lampenfieber gut ist. Ich visualisiere außerdem mein Publikum; baue innerlich die noch gefühlte Distanz ab, indem ich Sympathie aufbaue. Sympathie für die Menschen, denen ich gleich etwas erzählen darf, was ich für wichtig und wertvoll halte. Es gibt nicht „die und ich", es gibt nur uns im Saal. Auch das Publikum hat „Lampenfieber", denn es weiß vorher nicht, was gleich auf der Bühne passieren wird.

Das zu erkennen hat meinen Vortragsstil auf einen ganz anderen Level gehoben. Gelassen, frei und nah am Menschen.

Coverfoto: Katy Otto


Was Worte bewirken und warum ich nie Speaker werden wollte:

...

Wortgewalt – Ausgesprochen wirksam

Als ich nach einem meiner letzten Vorträge dankbar im Applausregen stand, mich selbst freute und dabei in die lächelnden Gesichter vor mir blickte, wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr ich es liebe Speaker zu sein. Fast grotesk, denn eins wollte ich nie werden: Speaker. Und das hat einen im wahrsten Sinne des Wortes gewaltigen Grund.

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Warum jemand, der gut reden kann, einen Blog schre...

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