Und nochmals Nein! It’s my kind of magic

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Think outside the box! Verlass deine Komfortzone! Tu jeden Tag etwas, wovor du Angst hast! So und ähnlich lauten die kategorischen Imperative der Selbstoptimierung. The magic happens eben nicht im Wohlfühlbereich, sondern erst, wenn wir das Wagnis eingehen, diesen kleinen Kreis zu verlassen. Jüngst habe ich mir gleich drei Mal hintereinander erlaubt genau das nicht zu tun. Mit magischem Ergebnis!

Dieses Kribbeln im Bauch

Ich liebe es, wenn ich etwas zum ersten Mal mache und das Adrenalin sich wie schäumendes Brausepulver in meinem Körper ausbreitet.Die Gefühlsintensität währenddessen, der Glückstaumel danach. Der Spaßfaktor, der Rausch, die Endorphinexplosion. Meine Neugier stupst mich gern an Grenzen, damit ich sie hinter mir lasse. Doch bei aller Liebe zum Kribbeln gibt es ein Gefühl, das mich noch mehr bewegt, und das ist mein tief unter allem ruhendes Bauchgefühl. Es entsteht aus der Frage: Was wartet jenseits der Komfortzone wirklich?

1) Über den Rand blicken 

Bei meinem Besuch in Amsterdam vor wenigen Wochen, haben meine Freunde und ich einen Abstecher zu Europas höchster Schaukel Over the Edge auf der Aussichtsplattform des A'dam Towers gemacht. Es hat mich irre gereizt das auszuprobieren und bevor ich schlussendlich davorstand, hatte ich auch die Hoffnung, dass es funktionieren könnte. Das Ticket war gekauft und ich habe mich in die Schaukel gesetzt, um ein reelles Gefühl für sie zu bekommen. Die Sicherung für meinen Körper war nicht gegeben. Das Nein unter meinem Bauchkribbeln war klar und eindeutig.

2) Achterbahn 

Zwei Freunde von mir waren in einem Rollercoasterpark und ja, ich wäre nur zu gern dabei gewesen, hätte Loopings erlebt, in Steilkurven gejohlt und die Fahrtwindwirbel im Haar gespürt. Abgesehen davon, dass es mir auf den meisten Bahnen gar nicht erlaubt gewesen wäre, mitzukommen, hätte ich in Falle einer möglichen Fahrt vor lauter Anspannung keinerlei Freude empfunden. Also blieb ich am Boden.

3) Gratwandeung 

Als mich meine Freunde Sven und Torsten mit der Idee einer Watzmannüberquerung konfrontierten, die sie planen, war ich selbstverständlich elektrisiert. Wenn das keine janismäßige verrückte Aktion ist, was dann? Zwar schwante mir, dass diese Tour in keiner Weise mit unserer Andenwanderung zu vergleichen sein würde, aber meine Reise- und Entdeckerlust trieb mich in sofortige Recherche. Beim Anblick schmalster Pfade, die an 1800 Meter tiefen Abgründen entlang führen, ohne dass es Möglichkeiten zum Festhalten oder Sichern gibt, wuchs unter dem Kribbeln das Nein.

Europas höchste Schaukel: Die Sicherung war hier nicht gegeben.

Ein Nein ist ein Nein und kein Nie

Dreimal habe ich es ausgesprochen: „Da komm ich nicht mit!" Dreimal in der Gewissheit, dass es so genau richtig für mich ist, obwohl ich gerne geschaukelt, gesaust, geklettert wäre. Bin ich ein Angsthase? Ein Spielverderber? Verweile ich in meiner Komfortzone? Wo in diesem Nein steckt er denn, der Grenzgänger und Abenteurer, der Mutmacher? Ist dieses Nein nicht ein Zeichen von Schwäche oder Verzagtheit? Ein peinlicher Abgesang auf die eingangs erwähnten Mantren des Möglichmachens? Ich stelle mir diese Fragen inzwischen nicht mehr, ich vertraue meinem Bauchgefühlkompass. Denn dieses Gefühl sagt 1. Nein und nicht nie und 2. ist mein Nein kein destruktiver Entwicklungskiller, sondern ein selbstwertschätzendes Ja zu mir selbst und dem gegenwärtigen Augenblick.

Will ich es wirklich​?

Was wartet jenseits der Komfortzone wirklich? Und was will ich wirklich? In den oben genannten drei Fällen ist sicher mehr möglich. Wenn ich anfinge mich damit zu beschäftigen, wie ich das Schaukeln, die Loopings, die Gratwanderung erleben könnte, gäbe es bald Ideen und Wege dazu. Am Ende ist vieles eine Frage des Aufwands und des Einsatzes. Das ist der beste Prüfstein dafür, wieviel mir etwas wert ist und wie sehr ich es will. Ja, die Schaukel und die Achterbahn sind reizvoll und doch nichts weiter als Kickmomente. Aber dafür Aufwand betreiben? Die Andenwanderung hingegen war ein unvergessliches Natur- und Menscherlebnis (> Verrückte Aktion. Typisch ich!). Die Watzmannüberquerung ist etwas, was ein gegenwärtiges Nein verdient, und gleichzeitig den Wert weiterer Erforschung von Möglichkeiten für mich hat.

The magic happens in dir selbst

Wann also sind wir jenseits der Komfortzone und denken außerhalb der Box? Wenn wir impulsiv den Kick suchen? Unbehagen ignorieren? Kräfte überschätzen? Ich für mich weiß, dass die Stärke im Mut liegt, bei mir selbst zu bleiben, selbst wenn das sich daraus ergebende Nein auf andere unsexy wirkt und unpopulär erscheint. Selbst wenn das hüpfende Rumpelstielzchen in mir kurz an meinen Leichtsinn appelliert. Ich bin es mir wert zu hinterfragen, welchen Wert die Dinge für mich wirklich haben. Magie entsteht dann, wenn wir 100% bei uns sind.


So echt wie ich selbst
Homo + Digitalis = mehr Mensch?

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