3 Minuten Lesezeit (684 Worte)

Ich bin so frei. Mir Gedanken zu machen.

Skater-1

Als ich neulich ganz spontan einen Shopping-Moment im Foto festhielt und auf Facebook meine Zweifel an einem eventuell zu gewagten Outfit teilte, stellte ich abschließend die Frage: „Wie sehr beeinflusst Euch der Gedanke, was andere über Euch denken könnten?" Die Antworten purzelten nur so, allen voran die Meinung, es solle, könne, dürfe einem herzlich egal sein, was andere denken. Ja! Das stimmt. Ja? Stimmt es wirklich?

Ein wiederkehrendes Thema

Kleider machen Leute, wie es so schön heißt. Lange war ich modisch gesehen nicht besonders trendy unterwegs. Eine gute Freundin fand es sogar ziemlich einfallslos und langweilig. Und sie war es auch, die mir bei gemeinsamen Einkaufs-Touren den Blick für ganz andere Klamotten öffnete. Ein Blick übrigens, den ich nach wie vor aus mir selbst heraus nicht oft habe. Wie bestimmte Kleidung an mir aussieht, kann ich einfach nicht einschätzen, solang sie noch auf dem Bügel hängt. Meine Freundin kann es. Ohne ihren Impuls von außen, hätte ich meinen Spaß am modischen Experimentieren gar nicht kennengelernt. Klar, ich muss mich schlussendlich in einem Outfit mögen. Aber ist mir deshalb egal, was andere darüber denken?

Kleider machen sichtbar

Auch Kleidung ist ein Ausdrucksmittel. Schon aus diesem Grund sollte sie vor allem mir selbst gefallen. Mir passen und zu mir passen. Ich will mich darin wohlfühlen, am besten wie in einer zweiten Haut. Sie zu einem absoluten Statement hochzustilisieren ist nicht mein Ding. Genau dafür bin ich wirklich zu wenig beheimatet im Thema Fashion. Gleichzeitig mag ich es, dass ich mich modisch entwickelt und andere Facetten kennengelernt habe. Diese Entwicklung hätte es vermutlich nicht gegeben, wäre mir die Beurteilung meiner Freundin gleichgültig gewesen. Geht es also eher darum wer etwas über mich bzw. mein Outfit denkt?

„Oha, eine hellrosa Blousonjacke auf Popcornshirt –da denken doch alle, der McDavid hat sie nicht alle"

Schon wieder ein kleiner Kompass

Im ersten Moment dachte ich: Klar! Die Meinung von Freunden ist mir nicht egal, selbst wenn ich sie nicht teile, so höre ich sie an und denke ggf. darüber nach. Alle anderen können dann gern über meine Kleidung denken, was sie wollen. Der jüngste Shopping-Moment offenbarte jedoch, dass es mir wohl nicht 100% egal ist. Denn der Gedanke „Oha, eine hellrosa Blousonjacke auf Popcornshirt – da denken doch alle, der McDavid hat sie nicht alle", war einfach da. Plopp, Peng, Zong. Alles, was mich bewegt, ist auch bedenkenswert, denn das alles verrät mir etwas über mich. Wenn so ein Gedanke auftaucht, was erzählt er mir? Wofür ist er ein guter, kleiner Kompass?

Neugier oder Abhängigkeit?

„Was andere über mein Outfit denken interessiert mich nicht." kann ich von mir nicht behaupten. Ich gehe den Schritt weiter zu sagen, dass ich das auch gar nicht behaupten will. Denn es interessiert mich. Nicht nur von meinen besten Freunden, auch von anderen. Die für mich selbst entscheidende Frage lautet nicht, ob es gut oder richtig, falsch oder fatal ist, an die Meinung der anderen Gedanken zu verschwenden. Die Frage ist, aus welchen Motiven heraus ich es tue. Und was es dann mit mir macht. Oder, wie ich meine Frage oben formuliert habe, ob und wie stark es mich beeinflusst. Bin ich abhängig von der Meinung der anderen? Oder nur neugierig auf sie? Dient mir der Blick von außen, ja sogar die Bewertung von außen einfach als Spiegel für vielleicht vorhandene, blinde Flecken oder ist der Blick von außen das richtende Maß aller Dinge? Mit entsprechender Zerstörungskraft.

Wo stehe ich​?

„Kann ich das tragen? Was denken denn da die anderen?" Als Kompass gewertet, offenbart dieser kurze Gedanke für mich, dass meine Outfitwahl nicht 100% meinen Geschmack getroffen hatte. Dass ich mich nicht 100% wohl damit fühlte. Und selbst das lässt weitere, spannende Fragen zu: Weil es wirklich nicht meins ist? Oder nur einen Tick zu weit außerhalb meiner bisherigen modischen Komfortzone? Kann es also meins werden? Eine textile Horizonterweiterung? Stoffglänzende Grenzverschiebung? Oder bin ich es wirklich nicht?

Ich mag die Freiheit Klamotten anzuprobieren und ich mag die Freiheit Fragen aufkommen zu lassen und Antworten auszuprobieren. Danke für eure vielen Impulse!

Fotos: Katy Otto


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